Online vs. Einzelhandel, ein Thema ohne Ende

thumbs up for shopping for booksEin viel diskutiertes Thema. Aktuell schließt in meiner Kleinstadt ein Traditions-Kaufhaus und die Meinungen, was dafür der Grund ist, überschlagen sich. Die allererste Pressemeldung zitierte einen der Geschäftsführer, der dem Onlinehandel die Schuld zuschrieb. Ich kann nicht beurteilen, warum dieses Kaufhaus Insolvenz anmeldete und kann auch nicht beurteilen, ob der Geschäftsführer korrekt zitiert wurde, oder ein Halbsatz weggelassen wurde. Jedoch das Thema kocht ständig hoch, die Bürger reden darüber.

Ein weiteres, kleines Geschäft schließt, auch wegen Onlinehandel, sagt der Geschäftsführer. Jedoch ist er mittlerweile im Onlinehandel wesentlich erfolgreicher. Seine Kunden blieben aus, weil er Produkte hat, die genauso gut online verkauft werden können. Er hat sich darauf eingelassen und einen eigenen Shop eingerichtet, der ihn inzwischen ernährt, auch weil er die horrende Miete, wie er selbst sagt, spart.

Ich habe kein Rezept, wie Einzelhändler reagieren sollten, oder welche Schritte sie gehen sollten, hatte jedoch in den letzten beiden Wochen zwei Erlebnisse, die mir zu denken geben.

Kreative Suche …

Ich habe „im Vorbeigehen“ in einer großen Buchhandlung in einem Einkaufszentrum einen Kalender gesehen, der mir gefiel und den ich zu Weihnachten verschenken wollte. Leider war ich sehr in Eile und hatte keine Zeit, mich an der Kassenschlange (ja, die gab es!) anzustellen. In der Buchhandlung, in die ich seit über 40 Jahren gehe (gut ich geh auch mal online „fremd“) wurde ich fündig. Aber nicht einfach so, denn ich hatte inzwischen den Titel des Kalenders und den Verlag vergessen. Ich vermutete, „meine“ Buchhandlung könnte mir hier auch nicht weiterhelfen. Weit gefehlt. Ich startete den Versuch. Erklärte der Verkäuferin meine Not und beschrieb den Kalender in Größe, Thema und was ich auf dem Titelbild erinnerte. Sie hatte zumindest eine Idee, bei welchem Verlag sie nachsehen konnte. Was soll ich sagen, wir gingen gemeinsam auf die Suche, es dauerte ca. 20 Minuten, in denen sie sich akribisch und sehr kreativ, durch viele Verzeichnisse und Prospekte mit mir wurstelte. Als wir herausgefunden hatte, welcher es war, jubelten wir beide. Dann dauerte es weitere 10 Minuten bis sie ihn im Laden fand, denn diese Buchhandlung bietet selbst ungefähr 100 Kalender an, die thematisch sortiert. Online wäre ich nicht so weit gekommen!
Ich verließ glücklich den Laden und werde ihn, wie schon die letzten Jahre gerne empfehlen.

… versus „keine Lust“

Heute betrat ich einen Haushaltswarenladen, in dem ich auch öfter einkaufe. Ich suchte etwas Spezielles. Bei einem Geschirr, das ich noch von meiner Mutter hatte, fehlen ein paar Teile. Nun weiß ich, dass es Hersteller gibt, bei denen man noch Jahrzehnte später nachbestellen kann. Ich wollte von der Verkäuferin wissen, ob der Hersteller X noch die Serie Y im Programm hat und ob ich nachbestellen kann. Sie schaute mich entsetzt an und fragte, woher sie das wissen sollte? Meine Antwort war: „Nun vielleicht beim Hersteller erfragen. Ich brauche die Antwort auch nicht sofort, Sie können es gerne in Erfahrung bringen und ich komme in einer Woche wieder und frage nach.“ Ungläubiges Schauen und als Antwort: „Kann ich mir nicht vorstellen, dass die das im Programm haben!“ „Können Sie das den in Erfahrung bringen?“ Als die Dame mir antwortete: „Ich wüsste nicht wie!“ Konnte ich mir nicht verkneifen zu sagen: „Gut, dann schau ich, dass ich das über das Internet bekomme!“ Ihr schien die Antwort einleuchtend: „Ja tun Sie das!“
Ich bin etwas perplex aus dem Laden gegangen.

Das sind zugegebenermaßen persönliche Beispiele, die man als Einfälle abtun kann. Ich glaub nur nicht an Einzelfälle. Guter Service ist zumindest eine Antwort auf die Konkurrenz online. Es gibt bestimmt, je nach Sortiment auch andere Antworten auf online. Es macht jedoch Arbeit, sich mit neuen Konzepten auseinander zu setzen und sie auch umzusetzen. Meist ist der Auslöser für die Veränderungen Druck von außen, Druck durch sinkende Umsätze. Wenn die Schmerzen groß genug sind, ändert man auch was am Geschäftsmodell oder am Konzept.

2 Gedanken zu „Online vs. Einzelhandel, ein Thema ohne Ende

  1. Iris Jakob-Diedolph

    Hallo Malu,
    in der Tat Beispiele, wie man sie öfters erlebt…in die eine wie auch die andere Richtung. Eine Idee zum Thema „Kalender im Schaufenster, keine Zeit auf Kassenschlange“: in solchen Fällen mache ich ratzfatz ein Foto mit dem Handy…und kaufe dann im Buchladen um die Ecke.
    Grüße von Iris

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  2. Mario H.

    Ich finde, diejenigen, die immer Online die Schuld geben am Sterben von Offline, machen es sich zu leicht. Teilweise ändern sich einfach die Kunden und das Kundenverhalten, und wer da nicht mitmacht, verliert. Entweder, gerade erlebt, das Angebot ist zu mau (ich suchte nach Socken im Midprice-Bereich – es gab aber nur Low und High) oder die Öffnungszeiten passen nicht (vor 19:00 bin ich nicht in OF).
    Und dann kommt natürlich eins zum anderen:
    Besser als am Wochenende wiederkommen und in dieses Geschäft gehen, ist imho gleich nach Frankfurt zu fahren und da dann ein bissl mehr zu shoppen. Oder auch gleich online. In beiden Fällen würde ich mehr kaufen als die beabsichtigten zwei Paar Socken, aber das Geld landet nicht in OF, sondern entweder in Frankfurt oder im bösen, bösen Internet.
    Und warum? Weil die lokalen Geschäfte meine – imho nicht sonderlich hohen – Bedürfnisse nicht befriedigen wollten oder konnten.

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